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  Datum Betreff
Von    : Silvio Martin ()
Betreff: Schweden 2002: Eine Seebestattung
Datum  : 2002-05-20

Durch einen tragischen Unfall war Piesty, das Maskottchen der BMD, unmittelbar nach dem letzten Spiel in Jönköping dahingeschieden. Man beschloss, ihm einen würdigen Abschied zu schenken und überführte es nach Karlstad.

Ich möchte den Ernst des Anlasses vorweg denjenigen mitteilen, die nicht wissen, worum es hier eigentlich geht, damit sie verstehen können, warum erwachsene Männer ihren Gefühlen derart freien Lauf lassen. Piesty ist - oder war - ein Plastikdrache auf Rädern, ein treuer Anhänger der deutschen Eishockeynationalmannschaft.

Die besondere Tragik dieses Unglücks besteht darin, daß Piesty von einigen bösartigen Schweizern entführt worden war, als Rache für die Einlösung der Wette (Bericht folgt an anderer Stelle). Schon am nächsten Morgen meldete sich das schlechte Gewissen der Eidgenossen und reumütig brachten sie das (oder den oder die ?) für immer verloren geglaubte Piesty wieder zurück nach Hause. Verloren, wieder gefunden und dann der tragische Todesfall. Das ist auch für harte Burschen zu viel !

Der umwissende Leser vermag nun hoffentlich die Bilder mit dem notwendigen Ernst zu betrachten.

Die Schweden sind ein altes Seefahrervolk und deshalb wurde eine Seebestattung arrangiert. Als Sargträger stellten sich die Herren Leo und Werner aus Köln sowie das Eiszäpfle aus Stuttgart und Hägar (mit Bierglas) aus Dortmund zur Verfügung. Keinen Geringeren hätte diese Ehre gebührt.

Den Fahnenträgern und Trommlern folgte der Leichnam von Piesty. Ein würdiger Rahmen für den traurigen Anlaß. Der gerührte Leser bemerkt sicher, daß Attacke aus Braunlage (erste Reihe in der Mitte) schon jetzt nicht mehr Herr seiner Gefühle ist.

Ein eindrucksvolles Arrangement für das Ritual ruht auf einem in weißes Tuch gehüllten Bierzelttisch: Ein Winkingerhelm als Schmuck, dahinter ein Holzfloß mit dem in eine schwedische Fahne eingenähten Leichnam von Piesty. Das Floß ist mit Blumen geschmückt. Die Flasche enthält Spiritus für die Verbrennung des Leichnams.

Leo aus Köln (rechts) verfolgt die Zeremonie mit Ernst, aber gefaßt. Manne aus Stuttgart (links) wird von der Trauer übermannt. Es ist trotz des bitteren Anlasses schön, daß Männer noch zeigen können, was in ihnen vorgeht.


Der letzte Gruß der Trauergemeinde

Der letzte Blick auf die sterblichen Überreste von Piesty.

Das hätte es werden sollen. Leider verhinderte der Seegang, daß der Leichnam auf dem Vänernsee verbrannt werden konnte. Also wurde er wieder eingesammelt und in aller Stille im Kreise der engsten Angehörigen auf dem Campingplatz Bomstad-Baden (?) bei Karlstad beigesetzt.

 

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